Keckteck

Microsoft Fabric · Semantic Models ohne Reflexentscheidung

Direct Lake, Import oder DirectQuery? Nicht jeder Bericht muss live am Datentropf hängen.

Drei Speichermodi, drei unterschiedliche Betriebsmodelle. Die richtige Wahl beginnt nicht bei „modern“ oder „Echtzeit“, sondern bei Datenort, Aktualität, Performance und der Frage, wer die Last am Ende bezahlt.

In diesem ArtikelKurz gesagt

Kurz gesagt

Nimm Import, wenn Datenmenge und Aktualisierungsfenster passen: schnell, flexibel und betrieblich gut verstanden. Nimm Direct Lake, wenn die kuratierten Daten bereits als Delta-Tabellen in OneLake liegen und eine vollständige Importkopie unnötig oder zu teuer wäre. Nimm DirectQuery nur, wenn Daten bewusst in der Quelle bleiben müssen oder die geforderte Aktualität einen Abfragepfad zur Quelle rechtfertigt – und diese Quelle die Berichtslast auch tragen kann.

„Wir brauchen Echtzeit“ ist selten eine vollständige Anforderung. Oft bedeutet es nur: Der tägliche Refresh ist zu langsam. Wer darauf reflexartig DirectQuery einschaltet, tauscht ein planbares Ladeproblem gegen dauerhafte Abhängigkeit von Quelle, Netzwerk und Abfragequalität.

Die bessere Frage lautet: Wo soll die Arbeit stattfinden – beim Refresh, beim Laden aus OneLake oder bei jeder einzelnen Benutzerabfrage?

Die drei Modelle in einem Satz

Import

Vorbereiten und zwischenspeichern

Daten werden in das semantische Modell kopiert, komprimiert und mit VertiPaq im Speicher abgefragt. Aktualität entsteht durch Refresh.

Direct Lake

Delta direkt für VertiPaq

Das Modell arbeitet auf Delta-Tabellen in OneLake. Benötigte Spalten werden für schnelle Abfragen in den Speicher geladen; ein Refresh aktualisiert vor allem Metadaten und Referenzen.

DirectQuery

Die Quelle bei jeder Abfrage fragen

Daten bleiben in der Quelle. Visuals erzeugen Abfragen, deren Laufzeit und Skalierung von Quelle, Netzwerk und übersetzbarer Modelllogik abhängen.

Wichtig: Direct Lake ist nicht einfach DirectQuery mit einem schnelleren Namen. Microsoft ordnet Direct Lake und Import dem VertiPaq-Abfragepfad zu; DirectQuery delegiert Abfragen an die zugrunde liegende Quelle.

Die Entscheidungsmatrix

Kriterium
Import
Direct Lake
DirectQuery
Typischer Datenort
Beliebige unterstützte Quelle
Delta-Tabellen in OneLake
DirectQuery-fähige Quelle
Abfragepfad
VertiPaq
VertiPaq
Quelle zur Laufzeit
Vollständige Datenkopie im Modell
Ja
Nein
Nein
Aktualisierung
Geplanter oder ausgelöster Datenrefresh
Framing / automatische Updates
Abfrage der aktuellen Quelle
Interaktive Performance
Meist sehr gut
Meist sehr gut
Stark quellenabhängig
Modellierungsfreiheit
Sehr hoch
Hoch, aber Variante und Features prüfen
Übersetzbarkeit und Grenzen beachten
Betriebsschwerpunkt
Refreshfenster und Modellgröße
Delta-Qualität, Framing und Kapazität
Quelllast, Faltung, Latenz und Nebenläufigkeit
Meine StartregelBeginne mit Import. Wechsle zu Direct Lake, wenn OneLake und Datenvolumen dafür einen konkreten Vorteil liefern. Wechsle zu DirectQuery nur, wenn eine Anforderung Import und Direct Lake wirklich ausschließt.

Wann Import die richtige langweilige Antwort ist

Import ist der Standardmodus in Power BI – und das ist kein historischer Unfall. Das Modell kann Daten komprimieren, optimieren und im Speicher sehr schnell abfragen. Modellierer erhalten breite DAX- und Feature-Unterstützung, während Berichte nicht bei jedem Klick auf eine entfernte Quelle warten.

Import passt, wenn …

  • ein Refresh alle 15 Minuten, stündlich oder täglich fachlich ausreicht,
  • das komprimierte Modell in die vorgesehenen Größen- und Kapazitätsgrenzen passt,
  • du eine breite Modellierungsfunktionalität ohne DirectQuery-Einschränkungen brauchst,
  • die operative Quelle vor interaktiver Berichtslast geschützt werden soll,
  • ein klarer, überwachbarer Refreshprozess einfacher ist als permanente Quellabhängigkeit.

Der Preis ist die Datenkopie. Ein Importrefresh liest, transformiert, komprimiert und speichert Daten erneut. Bei sehr großen Modellen kann das viel Zeit, Quellleistung und Kapazität verbrauchen. Dann ist nicht automatisch DirectQuery die Antwort. In Fabric sollte Direct Lake zuerst auf die Prüfliste.

Wann Direct Lake seinen Vorteil ausspielt

Direct Lake ist für große Fabric-Datenbestände gedacht, die bereits als Delta-Tabellen in OneLake liegen. Statt beim Refresh eine vollständige Modellkopie zu erzeugen, aktualisiert das Modell seine Sicht auf die Delta-Metadaten. Benötigte Spalten werden bei Abfragen in den Speicher geladen.

Direct Lake passt, wenn …

  • Lakehouse, Warehouse oder andere Fabric-Quellen bereits kuratierte Delta-Tabellen bereitstellen,
  • eine vollständige Importkopie unpraktisch oder unnötig ist,
  • interaktive VertiPaq-Performance ohne klassischen Vollrefresh gewünscht ist,
  • Datenaufbereitung bewusst vor dem semantischen Modell in Fabric stattfindet,
  • Fabric-Kapazität und OneLake ohnehin Teil der Zielarchitektur sind.
Direct Lake hat inzwischen zwei Formen: Direct Lake on OneLake und Direct Lake on SQL. Sie unterscheiden sich unter anderem bei Datenquellen, zusammengesetzten Modellen, Sicherheit und DirectQuery-Fallback. Ein Architekturentscheid darf „Direct Lake“ deshalb nicht mehr als ein einziges unveränderliches Verhalten behandeln.

Framing ist kein klassischer Importrefresh

Beim Framing analysiert das Modell die Metadaten der aktuellen Delta-Tabellenversion und aktualisiert seine Dateireferenzen. Das ist normalerweise deutlich leichter als ein vollständiger Import. Trotzdem braucht auch dieser Pfad ein Betriebsmodell: Wann werden neue Daten sichtbar? Sind automatische Updates aktiviert? Was passiert bei Schemaänderungen? Wie wird nach einer fehlgeschlagenen Datenladung verhindert, dass ein fachlich unvollständiger Stand sichtbar wird?

Transcoding: warm ist nicht dasselbe wie kalt

Direct Lake lädt nicht vorsorglich jede Modellspalte vollständig in den Speicher. Benötigte Spalten werden bei der ersten Abfrage aus den Delta-Dateien in ein VertiPaq-taugliches Format überführt und geladen. Microsoft bezeichnet diesen Vorgang als Transcoding. Bereits residente Spalten können sehr schnell reagieren; nach Verdrängung durch Speicherdruck, Änderungen oder Capacity-Guardrails muss erneut geladen werden. Ein belastbarer Test misst deshalb kalte und warme Abfragen sowie typische Parallelität – nicht nur den zweiten Klick eines einzelnen Entwicklers.

Fallback bewusst behandeln

Bei Direct Lake on SQL können nicht direkt unterstützte Szenarien – beispielsweise Tabellen auf Basis bestimmter SQL-Views – auf DirectQuery zurückfallen, sofern das Verhalten so konfiguriert ist. Das kann korrekt sein, verändert aber das Performance- und Betriebsprofil einer Abfrage. Direct Lake on OneLake verfolgt dagegen einen Pfad ohne diesen DirectQuery-Fallback und unterstützt zusammengesetzte Modelle mit anderen Speichermodi.

Wann DirectQuery wirklich notwendig ist

DirectQuery hält Daten in der Quelle und sendet Abfragen zur Laufzeit dorthin. Das ist sinnvoll, wenn Daten aus regulatorischen oder technischen Gründen nicht importiert werden dürfen, wenn eine unterstützte externe Quelle bewusst führend bleibt oder wenn eine sehr geringe Datenlatenz tatsächlich fachlich erforderlich ist.

DirectQuery passt, wenn …

  • Daten nicht in das semantische Modell kopiert werden dürfen,
  • die Quelle eine ausreichende Abfrageleistung und Nebenläufigkeit garantiert,
  • Abfragen sauber gefaltet beziehungsweise in native Quellabfragen übersetzt werden können,
  • die geforderte Aktualität den zusätzlichen Betriebsaufwand rechtfertigt,
  • Quellzugriff und Berechtigungen bewusst bei jeder Abfrage durchgesetzt werden sollen.

DirectQuery verschiebt Verantwortung. Ein langsames Visual ist dann möglicherweise kein Power-BI-Problem, sondern ein Index-, Netzwerk-, Gateway-, SQL- oder Nebenläufigkeitsproblem. Diese Kette muss gemeinsam überwacht werden.

„Echtzeit“ konkretisierenFrage nach einer Zahl und einer Konsequenz: Müssen Daten nach 5 Sekunden, 5 Minuten oder 1 Stunde sichtbar sein? Was passiert geschäftlich, wenn es 15 Minuten dauert? Ohne diese Antwort ist „Echtzeit“ meistens nur ein teures Adjektiv.

Betrieb und Kapazität

Import

  • Refreshdauer, Speicherspitzen und Fehler müssen überwacht werden.
  • Inkrementelle Aktualisierung und Partitionierung können große Modelle beherrschbar machen.
  • Die Quelle wird planbar beim Refresh belastet, nicht bei jedem Berichtsklick.

Direct Lake

  • Delta-Tabellen, Dateigrößen, Row Groups, Datentypen und Datenqualität bleiben Teil des BI-Betriebs.
  • Viele kleine Dateien, hohe Kardinalität und ungünstige Ladeverfahren können kalte Abfragen verteuern; Dateiwartung und die aktuellen Microsoft-Empfehlungen zu V-Order gehören deshalb in den Pilot.
  • Framing beziehungsweise automatische Updates müssen zum Ladeprozess passen.
  • SKU-abhängige Speicher- und Capacity-Guardrails müssen mit repräsentativen Modellen, kalten und warmen Abfragen sowie typischer Parallelität geprüft werden.
  • Bei Direct Lake on SQL muss unerwarteter DirectQuery-Fallback sichtbar gemacht werden.

DirectQuery

  • Quelle, Gateway, Netzwerk und Power BI bilden gemeinsam den Laufzeitpfad.
  • Viele gleichzeitige Benutzer erzeugen echte Nebenläufigkeit auf der Quelle.
  • Transformationen und DAX müssen auf Übersetzbarkeit und resultierende Abfragen geprüft werden.
  • Aggregationen oder hybride Muster können häufige Abfragen entlasten.

Fünf Fehlentscheidungen

DirectQuery wählen, weil „keine Datenkopie“ sauberer klingt

Du sparst eine Kopie, bezahlst aber möglicherweise jede Benutzerinteraktion mit Quelllast und Latenz.

Direct Lake wählen, obwohl die Daten noch nicht BI-fertig sind

Direct Lake ersetzt keine saubere Gold-Schicht. Schlechte Tabellen werden nicht durch einen modernen Speichermodus zu einem guten semantischen Modell.

Import verwerfen, ohne die komprimierte Modellgröße zu messen

Quellgröße ist nicht Modellgröße. VertiPaq kann stark komprimieren. Erst messen, dann Architektur wechseln.

Framing mit Datenqualitätsfreigabe verwechseln

Neue Delta-Dateien technisch sichtbar zu machen sagt noch nichts darüber aus, ob der Ladebestand fachlich vollständig ist.

Alle Tabellen gleich behandeln

Große Fakten und kleine Dimensionen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Zusammengesetzte und hybride Modelle können sinnvoll sein – wenn ihr Betriebsaufwand bewusst akzeptiert wird.

Die sieben Fragen vor der Wahl

  1. Wo liegen die kuratierten Daten? Bereits in OneLake, in einer externen Datenbank oder nur in Quellextrakten?
  2. Welche maximale Datenlatenz ist fachlich notwendig? Nicht „möglichst aktuell“, sondern eine messbare Grenze.
  3. Wie groß ist das komprimierte Modell? Mit realistischen Daten messen.
  4. Kann die Quelle interaktive Last tragen? Einschließlich Nebenläufigkeit und Spitzenzeiten.
  5. Welche Modellfunktionen werden benötigt? DAX, berechnete Tabellen, Sicherheit und zusammengesetzte Modelle konkret prüfen.
  6. Wo soll Transformation stattfinden? Im Refresh, in Fabric vor dem Modell oder bei jeder Quellabfrage?
  7. Wer betreibt den gesamten Pfad? Monitoring, Fehleranalyse, Kapazität und Wiederanlauf brauchen Besitzer.
Keckteck-Fazit

Wähle den Modus nach dem Betriebsmodell, nicht nach dem Datenblatt.

Import ist die beste Ausgangslage, solange Größe und Aktualität passen. Direct Lake ist in Fabric der naheliegende nächste Schritt, wenn Delta-Daten bereits in OneLake liegen und der klassische Vollrefresh zum Problem wird. DirectQuery ist richtig, wenn Quellnähe eine echte Anforderung ist – aber dann wird die Quelle Teil jeder Benutzerinteraktion.

Die modernste Architektur ist nicht die mit der geringsten Datenkopie. Es ist die, deren Performance, Aktualität und Fehlerbilder dein Team zuverlässig betreiben kann.

Quellen und Versionsstand

Dieser Entwurf wurde am 13. August 2026 gegen aktuelle Microsoft-Learn-Dokumentation geprüft. Direct Lake entwickelt sich schnell; insbesondere Preview-Funktionen, Guardrails und Unterschiede zwischen Direct Lake on OneLake und Direct Lake on SQL müssen vor einer konkreten Umsetzung erneut geprüft werden.

  1. Direct Lake overview
  2. How Direct Lake works
  3. Develop Direct Lake semantic models
  4. Understand Direct Lake query performance
  5. Semantic model modes in the Power BI service
  6. DirectQuery in Power BI: When to use, limitations and alternatives
  7. Data refresh in Power BI
  8. Direct Lake in Power BI Desktop
Vor einer Veröffentlichung erneut prüfen: Preview-Status einzelner Modellierungsfunktionen, aktuelle Fabric-SKU-Guardrails und Speichergrenzen, DirectQuery-Grenzwerte sowie lizenzabhängige Aktualisierungsgrenzen. Diese Werte sind bewusst nicht als zeitlose Produkteigenschaften in den Artikel geschrieben.

Transparenz: Empfehlungen und Formulierungen sind redaktionelle Einordnung. Produktverhalten ist mit Microsoft-Primärquellen belegt. Es wurden keine pauschalen Performancewerte oder erfundenen Benchmarks verwendet.

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